Ein verstecktes Rokoko-Juwel in der Münchner Innenstadt – das Cuvilliés-Theater

In der Münchner Innenstadt ist ein Juwel bayerischer Rokokoarchitektur zu finden, das zwischen den vielen kulturellen Highlights oft zu wenig Beachtung findet. Das nach seinem Erbauer Francois Cuvilliés dem Jüngeren benannte Cuvilliés-Theater liegt in der Münchner Residenz und gehört zu den bedeutendsten Rokokotheatern Deutschlands. Der Stil des Rokoko kommt ursprünglich aus Frankreich und zeigt geschwungene oder bewegte, muschelförmige Rankendekorationen.

Das Cuvilliés-Theater wurde von 1751 bis 1753 im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph erbaut. Es war seither Austragungsort spektakulärer Uraufführungen wie zum Beispiel W.A. Mozarts „Idomeneo“ im Jahr 1781.

Die Ständeordnung spiegelt sich in den Theaterrängen wider

Der Architekt Francois Cuvilliés, der als Hofzwerg aus Flandern an den Münchner Hof gerufen wurde, entwarf mit einer überaus reichen Rokoko-Ausstattung, einer Drehbühne und einem horizontal verstellbaren Parkett ein Theater, das bald in ganz Europa Aufmerksamkeit erlangte. Entsprechend dem Anspruch einer Herrscherfamilie ist das Theater ganz in den machtpolitisch ranghöchsten Farben Rot und Gold gehalten. Im Cuvilliés-Theaters kann an Ort und Stelle erläutert werden, wie sich in der unterschiedlichen Ausgestaltung der Ränge die zeitgenössische Gesellschaftsordnung der Stände widerspiegelt: Ja nach Stand nimmt die Dekoration im Rang zu. Während im 2. Rang der Hochadel Platz nahm, war der 3. und 4. Rang für den niederen Adel und die Hofbeamten vorgesehen. Der Stadtadel nahm im Parterre Platz. Der Raum wird von der zentral gelegenen Kurfürstenloge dominiert, die sich über 2 Stockwerke erstreckt und von 2 Atlanten gestützt wird: von hier aus verfolgte die Wittelsbacher Herrscherfamilie die Aufführungen.

Nach der Zerstörung des Theaters im 2. Weltkrieg wurde im Zuge aufwendiger Restaurierungsarbeiten ab 1956 ein Puzzle von tausenden Holzplättchen wieder zusammengesetzt, um das Theater so gut wie möglich im ursprünglichen Zustand präsentieren zu können.

Abbildung: © Bayerische Schlösserverwaltung, www.schloesser.bayern.de,  Philipp Mansmann, München

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